Lehrbuch der RLC Dozenten

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Kaum ein Rechtsgebiet ist derzeit so dynamisch wie das Asyl- und Aufenthaltsrecht. Mit den beiden Asylpaketen (2015 und 2016) und dem Integrationsgesetz (2016) hat der deutsche Gesetzgeber die Bedingungen, unter denen Personen, die in Deutschland um Flüchtlings- oder subsidiären Schutz nachsuchen, auf eine gänzlich neue Grundlage gestellt. Viele dieser Regelungen sind politisch heftig umstritten und bedürfen mitunter einer verfassungs- und / oder europarechtlichen Überprüfung, so etwa die Einschränkung des Familiennachzuges für subsidiär Geschützte. Auf der EU-Ebene wird derzeit u.a. eine Reform des Dublin-Systems diskutiert, mit der grundlegend neu über die Verteilung der Geflüchteten auf die Mitgliedstaaten der EU entschieden werden soll. Und nicht zuletzt ergehen beinahe wöchentlich bahnbrechende Entscheidungen aus Luxemburg, Straßburg, Karlsruhe, Leipzig oder von unterinstanzlichen Gerichten. Diese unwahrscheinliche Dynamik weckt – nicht nur bei Neueinsteigern, sondern auch bei langjährigen Kennern des Asyl- und Aufenthaltsrechts – den Wunsch nach Orientierung und Vergewisserung, kurz: nach einer kompakten und aktuellen Darstellung der Rechtslage. Allerdings sieht sich ein solches Vorhaben mit dem Problem konfrontiert, dass es kaum möglich ist, mit der rasanten Geschwindigkeit Schritt zu halten, mit der sich das Asyl- und Aufenthaltsrecht gegenwärtig fortentwickelt.

Pünktlich zum Start des Wintersemesters ist nun eine vollständig neu bearbeitete und an die Rechtslage von September 2017 angepasste Auflage des ursprünglich von Bertold Huber und Ralph Göbel-Zimmermann zuletzt im Jahre 2008 in der 2. Auflage veröffentlichten Lehrbuchs zum „Ausländer- und Asylrecht“ erschienen, an der neben Dr. Bertold Huber (Vorsitzender Richter am VG Frankfurt/Main a.D.) auch die Dozenten der Refugee Law Clinic Berlin, Pauline Endres de Oliveira und Dr. Johannes Eichenhofer, mitgewirkt haben.
Dieses Buch beschränkt sich nunmehr weitgehend auf das „Aufenthaltsrecht“, während das Lehrbuch zum „Asyl- und Flüchtlingsrecht“ im Jahre 2018 in einer gesonderten Neubearbeitung durch die Verwaltungsrichter Dr. Ralph Göbel-Zimmermann, Dr. Alexander Eichhorn und Dr. Stephan Beichel-Benedetti folgen soll. Nichts desto trotz dürfte auch das nun erschienene aufenthaltsrechtliche Lehrbuch auf das Interesse der Teilnehmer(innen) der Refugee Law Clinics stoßen. Dies gilt besonders für die Abschnitte zum humanitären Aufenthaltsrecht, die ebenso von Pauline Endres de Oliveira übernommen wurden, wie die – speziell für Studierende der Law Clinic konzipierte – Einführung in das Asyl- und Flüchtlingsrecht im Anhang des Buches. Doch auch etwa die Bestimmungen zum Familiennachzug, deren Bearbeitung Johannes Eichenhofer übernommen hat, gehören zum Kernstoff der Vorlesung und sind auch mit Blick auf die Studierenden der Refugee Law Clinics verfasst worden. Überhaupt war die Vorlesung zur „Einführung in das europäische und deutsche Asylsystem“, die Pauline Endres de Oliveira und Johannes Eichenhofer nunmehr zum dritten Mal vor den Teilnehmer(innen) der Refugee Law Clinic Berlin halten, ein wichtiger Gradmesser beim Verfassen des Lehrbuchs. Zum Einen bot sie den Dozenten Gelegenheit, das geltende Asyl- und Aufenthaltsrecht möglichst übersichtlich und verständlich anhand der Vorlesungsfolien darzustellen und damit eine wichtige Grundlage für das Lehrbuch zu legen. Zum Anderen haben auch die vielen aufmerksamen und zum Teil kritischen Rückfragen der Studierenden nicht selten das Bewusstsein der Verfasser für einzelne rechtliche Probleme ein Stück weit geschärft. Daher hat auch die Refugee Law Clinic Berlin einen nicht unbeträchtlichen Anteil am Gelingen des Lehrbuchprojekts, das sich nun hoffentlich einer großen Leserschaft erfreut.

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